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EINS

 

 

Brotwäsche

Die Frau am Fluss wäscht

grosse weisse Scheiben Brot

wie Hemden.

 

Sie wringt sie aus

und milchig Wasser steigt vom Handgelenk zur Elle,

Gedanken an

von Hunger aufgeblähten Laib.

 

Das Brot legt sie auf nahe Steine,

Zur Amme wird sie, Fieber senkend.

Brot wird trocknen und sich neu verfärben.

Kinder knabbern

Krümel ihrer Kreuze

 

 

 

Fülle

Dann stehst du in zu langer Schlange,

die Hostien aufgebraucht – zu brav hast Du gewartet.

Corpus Christi reicht nicht ewig.

Einmal ist er weggeputzt.

Dann gibts das wahre letzte Abendmahl.

Der Pater wird Dir Stückchen seiner Segensfinger

auf die Zunge legen, und wieder wirst Du Schlange stehen.

Diesmal aber nicht vergebens.

Das Brot wird in dir wachsen. Zungenlaib.

Pumpernickel Leber. Du selber wirst das Wunder sein.

Fünftausendmal wirst Du Dich nähren.

 

 

Im Jahr, als Sonny sich verletzte

 

Im Jahr als Sonny sich verletzte,

wir stellten grad den Weihnachtsbaum.

Dies widerspenstig Immergrün.

Alle Augen harren. Alle stehen wir da,

als ob da einer schrie „passt auf!“

Die Mama neben mir, die Hände auf der Brust der Kleinsten,

im Bauch ein neues, wildes junges Wesen.

Welch Szene! Wegen einem Wunder

mit fünf Zacken. Stern aus Stahl,

von mir gehämmert in der Schule,

roh und ohne Symmetrie,

die eine Spitze krumm, verdreht zum Haken.

Stern, gedellte Flecken einer Musiktonne.

Sonny blutet.

Sein Blut rinnt über Tannenspitz.

Noch sagt er keine Silbe,

der Stern steckt noch in seiner Hand.

Alle sehen Weihnachtszauber

In den Ornamenten, die wir mit den

schönsten Dingen jedes Jahres schmückten.

Der Mama reichen die Pailletten

des merschaumfarbenen Kleids

für fünf, sechs weitere Jahre.

Sonny verliert noch mehr Blut.

Wir dachten, es sei Tetanus.

Den Stahl, den fand ich auf der Strasse,

von irgendetwas schon Kaputtem.

Sonny sagt: „When I see Jesus.”

Und allen geht die Sonne unter.

 

 

 

 

 

 

Verlorene Träume sind nicht alles

 

 

Träume schwimmen wie geweihte Lilien

und danach schmelzen sie dahin.

 

Wie sie singen

Wenn sie sinken, beneide ich und höre zu

 

Ich könnte sie nicht retten. Klagelied dringt in mein Ohr.

Hinter Augen wirbelnd Rauch wie Notenrolle.

 

Die einen nennen ‘s Wunderwasser, doch

niemand glaubt, es stamme von den Träumen.

 

 

2.

 

Vor langer Zeit vergass ein Fisch den Zweck der Finnen

er flog dem Fluss davon;

Er träumte nicht;

Kein Ehrgeiz, bloss Verwirrung.

 

In Nova Scotia sonnt er nun auf Eis.

Und weisses Auge ploppt heraus wie Perle nach dem Gahren.

 

Titanic kam dies eine Mal davon!

 

 

 

 

 

Fisher Street

 

Spaziere gern die Fisher Street entlang der Wäsche

in den Hinterhöfen,

 

das meiste weiss und resistent.

 

Hundert Tonnen Bleiche

in Blechwannen, Kleider stockgerührt,

 

Naphta Seife, das Wasser Haut ablösend heiss.

 

Predigt befiehlt Kindern Grabesstille,

Priesterkragen steif und scharf wie Klingen;

 

infames Weiss, Gesicht zu kantig, schaue weg

 

und denk an Mönche, die die Trauben stampfen,

verfärbte Füsse, schwarzblau eines Nigerianers.

 

Ich glaub, die werden sie nie sauber kriegen. Da seh ich

 

Fertigwindeln weiss wie Ehre; im Himmel gibt es keine Exkremente

 

 

Wie schad, die Totenkleider: zum trocknen aufgehängt daneben.

 

Hosentaschen rausgekehrt, entblösst,

 

Hemden zugeknöpft bis oben, Ärmel satt am Handgelenk,

verwaschen alles, weiss von all dem Waschen, alle Opfer,

Haar der Witwe, einfach alles

hell wie Tag.

 

Lieder steigen auf im Dampfe, weiss gebleicht

wie all die Wäsche, die hier an der Leine kämpft
wie

für die Freiheit unsereins.

 

Weitere Engel

will ich nicht erwarten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wasserweg

Sing ein Lied des Handels
für die lange, lange Reise

Aufbruch von Dahomey

Wohlgeruch am ersten Tag

 

Das Meer, Meer, Meer ich liebs
und zeichne mit dem Finger

 

Konturen eines grauen Vogels,

bald taucht und bald vom Wasser sich erhebt

Federfaust und Schnabel
fangen zappeligen Fisch

 

Mannschaft sagt: Wär’s nicht schön so wär’s gemein.

Darauf die Fracht: Wär’s nicht grausam wär‘s so schön.

                    

Ich riech zu viel von uns,

ich bin ganz nahe zweien meiner Seiten,

 

die ich gar nicht fühle. Mein Finger immer noch am zeichnen,

derweil der Vogel tief im grossen Meer versinkt,

 

er sucht des Wassers Grund zur Rast

doch weder Ende, Nest, noch Tod in Sicht,

 

die Welt nicht mehr wie einst.

 

Wir hocken im Schiff, lebendig begraben,

 

In dieser engen, heissen, kranken Welt.
Wir schwimmen tief in wachsend Übel.

 

Sind Männer, die den Schiffsbauch kennen.

 

Sind Frauen auf dem Quarterdeck und wissen nur zu gut,

wenn uns Matrosen

das Unterdeck statt zwischen Beine

in den Rachen rammen.

 

Unsere Augen gleichen Sternen,

wehrlos, hell und starrend,

 

aufgehängt an schwarzem Übel

tief darüber.

 

 

 

 

Ein-Aug Mama verkauft Mangos

 

Was über uns hing wie ein Eid

war auch der Himmel, nur mit den Augen

abzumessen, Horizonte starr wie Traurigkeit

 

Wofür wir nicht einmal am Dach, das unsre Hände falten, beten: Wahr war es zwar.

Sogar die Ein-Aug Mutter verkauft Mangos auf der Strasse, ihr Kind herausgeputzt, na klar!

 

Der weiss besatzte Kragen schält sich ihr vom Hals

wie Weissfischfilet filettiert mit kalten Händen,

deren lange Finger Glanz verkünden.

 

Ihr Kind geht in Karo zur Schule,

zu schick und schlau für Unterricht.

 

Da kommt die Abendbrise, zieht so eng wie eine schmale Gasse.

Manchmal sind sie noch nicht reif genug.

Manche fallen und verrotten, denn

Mangos feiern keine Rechte

 

Und hat es nächstes Jahr dann keine,

dann gibt’s ein feines Mahl am Strand, von unseren Füssen zartgestampft, ein Riesenfisch wird dann verbraten,

so leben wir auf grossem Fuss, sagt sie,

 

die Einaug-Mama selbstbewusst,

isst Keks zum Tee, und Sternendunst fällt von den Lippen

auf die Schuppen einer Flunder,

Himmelsschwere vollbewusst.

 

 

 

 

 

Das blaue Land der Tussen

 

Wildes Himmelsrätsel

hinter fixem, festem Blau

wie ein Urteil anzuschaun,

 

Doch beständig ist er nicht, der Himmel.

Blosse Luft, im Lichte zu erkennen.

Zerstreut wie Motten, die dem jähen

 

Licht zuschwärmen. Luft voll Hysterie,

überall, nicht aufzuhalten.

Ihrer Wirbel wohl bewusst

 

Und doch auf alles runterschauend.

Wildheit voller Rage ohne Abenteuer.

Weiter als die Schwerkraft geht sie nicht.

 

Sehnen heisst nicht

viel verlangen, Freund der

Nervenkrise, die nicht

 

von allein verfliegt, Wirbel stürmen aus,

Häuser, Städte fallen

auseinander.

 

Der Himmel ist bei Nacht nicht bloss

Exil im Kindergarten über

blauer Linie. Exil hält an,

 

wenn der Tag den Traum zertrümmert. Die Dunkelheit

hält an, zu sanft ist sie,

um zu zerbrechen. Dann

 

Im See darunter, silbern

Betrachtet sich der Himmel selber,

Zander und Forelle.

 

Er sieht wie Menschen darin waten,

Mit Zwick und Schnur, dem Peitschenknall des

Löwenzähmers ähnlich,

 

dabei die Mähnen sträubt.

Fische mögen beissen, saugen,

Am Leinenende die Pastillen,

 

Als ob die Männer Fische heilen könnten.

Der Himmel siehts, doch kanns nicht fühlen,

die Haut zerreist und Blau strömt aus.

 

Die Seele steigt hinauf ins Schwarze,

mit Sternen kollidierend,

Flipperkastenspiel.

 

Ein Jet Stream, sicher rein im Fluge,

Am blausten ist er desahlb nicht. Und

Angesichts der turbulenten Posen

 

Wär viel mehr nötig als der Himmel

je an Fliegern auszuschütteln

schaffte; Rebellion tut not.

 

Manchmal ist es so einfach wie nötig,

zu vergessen, dass es sowas gibt

wie blauen Alarm, ausgerufen

 

Wenn noch nichts geschehen aber

vielleicht noch wird, ein Luftschlag,

überraschende Eskorte

 

Von Blaubarts siebter Frau

In die verbotene Kammer, jag den Feigling

und in die Scheune Nostardamus

 

Derweil die Drachen, Flaggen flattern

Derweil in Kitty Hawk

Die Brüder Wright nicht so besonders singen.

 

 

Hauchdünn und dünner

 

Die Brustmilch ist so dünn.

Hauchdünn wird sie und eine Libelle

 

zieht mit ihr von dannen.

 

Dünn wie immer

Schon fast am gerinnen, immer

dieser stolze letzte Tropfen.

 

Kühe, Ziegen weinen nicht so viel.

 

Zieht mit ihr von dannen.

 

Brustmilch rausgezogen, Schlaufe gleich,

das Baby eingewickelt, ein

 

Hallelujah fürs Geschenk,

sogar das Hallelujah dünnt sich aus,

 

Ein Hallelujah dies und das, doch

nicht alles soll man loben,

 

Nicht alles muss man ewig untersuchen,

und manches zieht mehr als

 

Milch aus der Brust, den letzten Tropfen Gastfreundschaft,

die dünnen Nervenstränge

 

Und hier der brave Junge und da ist Papa’s kleiner Mann,

und irgendwas geschieht, wird dünn und kalt

 

Die Python liebt den Mann zu Tode.

Kein Baby hätte das verdient.

 

 

 

 

 

 

Spiele

 

Tante Donna ist tot.

  • Wie ist sie denn gestorben?
  • Oh, etwa so.

(Kind macht eine groteske oder

vielsagende Pose, die die anderen Spieler ständig nachäffen)

 

  • Oh, etwa so.
  • Oje; Mookie hat sie abgeknallt.
  • Nein, das gilt nicht.
  • Aber ich weiss es doch. Mookie hat sie wirklich abgeknallt.
  • Dann ist Mookie ein Arschloch.
  • Kindern dürfen nicht so reden, man wird dir den Mund mit Seife auswaschen.
  • Und Du wirst besser mal erwachsen.
  • Schon passiert. Passt mir gar nicht.

 

 

 

Die kleine Sally Walker sitzt auf einer Untertasse

  • Wie bitte, auf einer Untertasse?
  • Wenn ihr Arsch auf eine passt, dann kann sie nicht

schwarz sein.

  • A-men. Volle Kanne!
  • Etwa fünf für einen schwarzen Arsch?
  • Bescheiden seit ihr, Nigger Bitches!
  • Wer hat Dir das denn beigebracht?
  • Kann ich nicht sagen.

Passt halt irgendwie

zu den Umständen

  • Da gibt es nichts zu quatschen

unter der Decke.

  • Yeah; man muss sein Bestes geben,

wenn man schläft. Tante Besseth findet,

Leute schnarchen, weil sie Angst vorm Sterben haben.

Mit Schnarchen wollen sie sich wecken.

 

Heulen und weinen, damit sie jemand liebt.

Auf, Sally, auf: trockne die verheulten Augen;

Hände auf die Hüften, rutsch den Buckel runter.

 

  • Kein Problem. Bin bei Dir auf der Veranda.

Dann ruf ich meinen Anwalt;

seine 800er Nummer hab ich hier.

  • 800er Nummer? Das ist 100 mehr als beim Club der 700.
  • Du weisst doch, Girlfriend, schwöre einen neuen Eid:

 

Aw shake it to the east,

And shake it to the west,

Aw shake it to the very one that you love the best.

 

  • Und Baby, heute Nacht bist Du’s
  • 50 Mäuse bitte.
  • Schätzchen, du bist zu billig.
  • Ist doch nur ein Spiel.
  • Eben, und wenns nicht gut.
  • Du bist kein braves Mädchen.
  • Ich weiss. Ich bat die Mutter tausend Mal um Vergebung.
  • Was hat sie denn gesagt?
  • Sie nannte mich tausend Mal bemitleidenswert.
  • Warscheihnlich nur aus Spass.

 

Here come Mrs. Sunshine

Twisting down the street.

If she wants a husband, this is what she does:


Take some salt and pepper, sprinkle it on his toes.

Now go’on Girl, shake that thing.

Back to back, Sunshine.

Side to side, Sunshine.

Face to face, Sunshine.

Now kiss him on the cheek.

 

 

  • Mädchen bleiben Mädchen.
  • Jungs bleiben Jungs.

Jungs bescheissen.

 

 

 

 

 

 

 

Maudell’s Mond

Mond auf deinem Rücken, woher hast du

diesen Mond auf deinem Rücken?

 

Sie hält an. Steht nur da,

ganz ohne Pose. Weiss nicht,

wie der Mond auf ihren Rücken kam.

Hatte schlichtweg keine Ahnung vom

Mond auf ihrem Rücken, drehte sich um,

kein Mond war da zu sehen.

Du lügst.

Jetzt ist er wieder da, wie

ist denn das geschehen?

 

Hast Du ‚ne Rübe? Ich tausch

den Mond für eine Rübe.

 

Abgemacht.

 

Nun zieht sie weiter. Einen Mond, den gabs gar nie,

doch dafür hat sie jetzt was Andres.

 

 

 

 

Leben vom Mann auf dem Mond

 

So läuft das: Die könnnen einen Mann

Auf den Mond schicken, auch wenn sie sonst

nichts können. Sie scheint so froh,

 

dass es nun stimmt:

Ab jetzt ist wirklich alles möglich.

 

Jetzt aber los, hol sie dir, solange

sie noch warm sind, sie noch

kochen und den Dixie pfeiffen;

Messiasmasche eiskalt drauf.

 

Sie können einen Mann auf den Mond schicken;

die Haken schlägt sie hoch und wieder auf den Boden,

verglichen mit dort oben wenig Glanz.

 

Nichts bleibt gleich. Sie könnte mit der Bluse Staub

abwischen, vergessen, dass sie genäht im Mondlicht

in Haïti fern der Sonne; das Mondlicht schien

so hell es konnte, der Mann dort oben

schaut nun zu.

 

Sie könnte auch das weisse Rauschen

der Franzosen rufen, könnte feiern

 

derweil ein Mädchen von Haïti Ärmel annäht,

beim Dösen durch einen durchguckt und den Mond erspäht.

Nur nicht wecken, sie kennt sie eh nicht, weiss nicht,

was die können. Das mag schockieren,

 

dass sie einen Mann wie den auf der Briefmarke,

auf den Mond, auf die Karte, auf den Bass, auf die Eins, auf Dope

und auf ihren Geist schicken können; sie können noch einen Mann auf den Mond schicken, einen, der dies nicht verdient, der Mond, der treu war wie ein Hund, folgsam and der Leine der Schwerkraft, die einen Mann dort oben zehnmal schwerer zum Herkules, den‘s gar nie gab, macht.

Die können einen Mann auf den Mond schicken und alle

ausser ihr und dem Mächen von Haïti stellen sich dumm

und glauben an den neuen Machtgewinn, sie weiss:

einen Mann auf sowas Leichtes wie den Mond,

sowas Doofes wie den Mond, sowas Schwaches

wie den Mond, sowas lüstern Völle schlingendes,

Schamlos trübes, schutzlos praller werdendes,

unrühmlich Talentfreies, Genialität Vermissendes;

die stopften einfach einen Typ in die Rakete,

der donnert los und landete auf jungfräulich toter Welt

mit vielen Kratern, nichts als Öffnungen fürs Ego,

für dessen Fortschritt.

 

Mit einem Mann, der Billiard spielt wird sie nie schlafen, der Queue: Bloss Rakete im Dunst von weissen Möglichkeiten.

 

 

Die Wärme heisser Schokolade

 

Jemand sagte mir, mich gäbe es nicht, sagte dies mit leblosem Blick. Er meinte, weil mir Logik nichts bedeute, sei ich nicht real, weil Logik stets mitbestimme, was sei. Er nannte mich Widerspruch im Wort, meine eine Seite blende die andere vollends aus. Seine weichen Knie seien freundliche Maracas mit schwachen Klappern. Sein Bart ein schiefes Lachen. Meine Komplimente hielten ihn nicht ab von seiner Überzeugung, dass er mit einer leeren Hülle konversierte, schliesslich gäb es keine Engel, die nicht an Gott glauben. Ich zeigte ihm die Stelle, an der sie meine Flügel neulich stutzten. Alle denken, sie wachsen aus dem Rücken, manche Leute glauben gar, die Schulterblätter seien alles, was vom alten Ruhm noch übrig ist, doch meine stossen durch die Kopfhaut, schweres Haar, steif von chemischen Sekreten, wann immer ich von einer Brücke springe. Viele Engel sind zu sehen, wenn Leute sich ermorden, dann reiten, zähmen sie die Lüfte. Ich selber war so ein Unfall. Wir sind halt eine andere Spezies, nicht instrinsisch heilig, nur intrinsisch in den Lüften. Dämonen haben gute Gründe, nicht zu fliegen; viel zu heiss zu Hause, all die Haare zu ertragen, die Hitze würde die Chemie verdampfen, Dämonen stürzten ab, der Fall ins Leere. Brüchig ihr Zuhause. Dämonen fallen ohne Ende, tiefer und tiefer ins Böse, wo selbst die Auferstehung Absturz wird.

 

 

 

Ich glaube, Gott beneidet meine Flügel. Als er sich selbst erschuf, gedanklich bei den echten Cowboys, vergass er, Flügel für sich selbst zu schaffen. Ich riet ihm zum Sprung von einer Brücke, und dann die Flügel, die er zu haben meinte, auszubreiten, auf Beutejagd denkt man doch auch an sich selber, aber er war sich seines eigenen Flügelpaars zu wenig sicher.

 

Ich glaube nicht an ihn; er ist bloss eine angenehme Bekanntschaft, ein Nahestehender, der mich mir selber überlässt. An ihn zu glauben, placiert ihn in des Universums Mitte, dabei wäre ihm am Rande sicher wohler, entlang den fernsten Wänden, der Rücken nicht bedroht von Messern all der Karrieristen, die ewig seinen Tod abwarten, damit endlich die Evolution übernehmen kann. Gott will sich nicht entwickeln. Seit er sie erschaffen, verachtet er die Evolution, misstraut den eigenen Möglichkeiten. Ich halte es für weise, dass er seine Zeit verbergen will, selbst wenn er im Mondlicht erblasst zum schwachen Schimmer, zur Wärme heisser Schokolade, die im Körper sich verteilt wie subkutaner Heiligenschein. Doch sollte man ihm nicht so mir nichts dir nichts trauen, das würde seine Würde unterfordern. Ich schütze ihn vor Korruption, vor Selbstzufriedenheit, die ihn dann und wann ergreift, ihn, diesen ständig schattig niederschwebenden Bruder.

 

 

 

Der Gegenspieler

 

Ich versteh, wenn Gott den Teufel für

sich behält; niemand teilt sein bestes Stück,

sein Eigengut, den Selbstverehrer,

doch Gott liess ihn los, zumindest sagt er das.

Satan fiel nicht plötzlich ein, von Chauvinismus

und dergleichen angeekelt abzuhauen.

Gott liess ihn laufen, fing ihn wieder ein,

verlangt von uns, das Schauspiel zu bewundern.

Per Teufelspakt zum roten Clown erhoben,

dann degradiert mit wirren Sprüchen.

Joe Johnson versus grosse, weisse Hoffnung

eines Gottes.

 

 

Das Problem: Gott braucht einen Gegenspieler,

einen, der ihm knapp ebenbürtig ist.

Satan, am Start der Zweite, das Gold

dem Griff so nahe, hätt er sich

nur nicht davon blenden lassen,

er, der beinah alles hatte. Für Gott

jedoch ist aller Glanz vergebens.

 

Satan begnügt sich mit dem Rest. Was es auch regnet,

Schutt und Müll des Himmels, Schuld an heiligen Kriegen,

Rettungwahn. Für jeden Tropfen Blut.

Denn was auch immer ungesegnet, nicht erwählt, Uncola. Manche entscheiden sich für andere,  dies nicht tun,

eine zweite oder dritte Welt, drittes Reich.

 

Im Himmel war er Minderheit, ausser ihm nur Heilige vor Orteilig. Kreuze brannten, sein Wagen, Haus, Kleider, Flügel; all

sein Hab und Gut. Erinnerung, verbrannt und neu verbrannt, daraus ersteht die Hölle.

 

Armer Satan. Seine Macht von langer, spitzer, weisser Nase

unterbunden. Wer dankt es ihm, dem Satan,

ihm, der immerdar

an Gottes Seite steht.

 

Satan ist der erste Onkel Tom.

 

 

 

 

 

 

Eine Art Gottesmord

Zwischen Elvis, Gott und Nikolaus, da finden manche alles, was sie brauchen. Viele reisen auf der Strasse von Tupelo nach Emmaus und finden unterwegs

verlorene Verwandte bei Spitzhunden, anderen Schriften, heilige Beute der Tundra, Flechten, Moose, schrumpfe Büsche,

Perspektiven.

 

In meinem siebten Sommer kommt ein Paket, diesmal ohne Medizin für den August, bloss Ken und Barbie, Götzen für geheime Kammerzeremonien bis zur Stunde bevor Mutter heimkehrt. Im Dezember kommt der Nikolaus, sie zu befreien. Echte Weichnachtfreude doch I ain’t nothing but a hound dog

 

Und eines Tages bin ich gross, und Gott muss

mich dann ziehen lassen, abliefern am Altar.

Mein Vater wird er immer sein, doch Gatte

wird ein anderer. Den werd ich sehen,

wie Gott sich niemals zeigen wollte, ganz unsichtbar,

versucht mich nicht. Immer dieser stille, starke Typus,

nimmt sich Zeit und wirbt mit Schuldgefühlen.

 

Mach ein Kind oder zwei, ein Gebet, eine Karte,

verschieb ein Golfspiel, und stell dich ein

für einen Schwatz im Tempel, sing ein Lied

im Sinn von Kirch und Kreuz

 

Rollstuhl, Totenbett; Zwischen den Besuchen

pflegen ihn Mönche und Nonnen. Muskeln

schwinden schon seit langem, nur vom Geist

bleibt noch was übrig, ohne Acht auf Ewigkeit.

 

Segne Speise, diesen Niesser, derweil heb ich den nächsten Tag ins Amt: Befehlsausgabe.

 

 

 

Abtrünnige Engel

 

Jeden Abend treffen sich verliebte Frauen vor dem Fenster, soweit so gut; Sterne, Wolken tun das auch, gar die Sonne, wenn sie denn die Nerven hat, alles nur, um dann hervorplatzen. Gedanken sammeln sich dort draussen, was für sie ohne grossen Sinn, ausser für die, die den Zufall bewundern; das Fenster ist bloss Grund für ein Ereignis. Zwar gehör ich nicht zu jenem Kreis, obwohl all meine Spiele früher runde Formen hatten. Am Morgen hat es Früchte an den Ästen, die für nichts stehen, Vögel meiden sie. Mir sind sie peinlich, darum probier ich sie gar nicht; Ich weiss nicht, ob sie essbar sind und, falls dem so wäre: Ich liesse sie verschrumpeln und herunterfallen; ich kann keine Beeren stibitzen,  schon gar nicht von einem Busch mit so viel Dornen, die Äste gleichen zerzaust gebrochenen Vogelbeinchen, geopfert nur, um an die verdammten Beeren zu gelangen. Das darf man so nicht sagen, weil das ja hiesse, dass verliebte Frauen Fallen stellen, Büsche verhetzen, Vögel austricksen, Fabeln erzählen, in denen Vögel seit jeher zum Fliegen geboren, um ihre Flügel auszunützen, hinauf zum Tode fliegend, weil zum Landen ausserstande.  Grosse Segler sind halt so. Doch verliebte Frauen können mehr als das, zu handeln ist zu sehr verklärt durch Tradition und Industrie, um als etwas Besonderes zu gelten, ein Grund, sich zu treffen, wenn Lichtverhältnisse sich verschlechtern, doch rechte Schatten fehlen, und der lichte Platz und die eckigen Fenster gleichen unregelmässigen Sternen in deren Nähe, ohne dass man sie bewünschen, personalisieren könnte; Sterne, je ferner umso besser, werden zu Stecknadeln. Meine Augen schliessen nicht, ohne zu sehen, was Dunkelheit bedeutet, offenes Haar der Frauen, Willkommensgruss. Ich weiss noch genau, wo ich war, als ich befruchtet wurde, schon als Zygote war ich vorbestimmt zu allem ausser zur höchsten Pionierin, wo ich war, als ich mich teilte und verdoppelte, ohne lange Zeit mehr Platz einzunehmen, bevor ich die Spannung meiner Haut ausreizte, mit Erfolg, dann die Geburt; mit einer Frau im Innern einer Frau, den Körper einer Frau von Innen weitend, sich auf eine Frau verlassen, eine Frau ausfüllen. Daran erinnere ich mich, während ich sage, dass andere Gebete und Gesänge die ich singe, als Mädchen, als Bimmeln: Den ganzen Tag, die ganze Nacht, Engel betrachteten mich durchs Fenster. Zu deren Ehren, seit vierzig Jahren, blute ich Befreiung

 

 

 

 

Alte Weiber flechten Körbe

 

Ich war bei Dir als Valhermosa

ein Fluss war, als wir Händchen hielten,

um der Strömung standzuhalten.

Gelangt ans Ufer liessen wir nicht los,

kauerten im kirchenhaften Schatten

von Ednas Haus mit Wetterfahne. Valhermosa

nun ein Bächlein, lose Naht,

die Liebenden vernähend.

 

Unter diesem Lindenbaum, am Tag der

Hochzeit Ednas mit dem Vetter, die

Flitterwochen hoch im Norden.

Von ihrem Garten sah sie alles: An einem Ast

zwei Garnituren Unterwäsche.

Als erste angelangt, verstecktest

Du Dich hinter Ästen und eine Braut

half mit dem Schleier. Entblösste Brüste

füllen deinen Schoss, der einer Schale gleicht.

 

 

Heute alles wie gehabt.

Absichtlich liess ich Dich warten,

bis Edna vom Fenster verschwand.

Ungeachtet der Gerüchte,

haben wir diese Körbe,

ein sauberes Gewerbe.

Deine Füsse baumeln, Insektenstiche

an den Knöcheln, derweil wir Gräser flechten,

Splintholzstücke:

Bewegungen erlernt

beim Hostie brechen.

 

Später sammeln wir Beeren

in frisch geflochtenen Körben,

esssen einander aus der Hand,

zittern,

Echos haben Angst vor Irrtum.

 

Du sagtest, ein Mann würd Dich

verlassen.

 

 

 

 

Finsternis und heiliger Mann

Die vielverglaste Fensterscheibe im kalten Zimmer zersplittert

Sicht auf die sich draussen windend Eiche.

 

Ein Teil besteht aus alten Fingern, deren Gespür

für die Schwere der Luft, die Lust, nach ihr zu greifen steigert.

 

Des einen Krümmung gleicht des Heiligen Schulter,

sich aus dem Nichts erhebend, den Hügel hoch,

In Finsternis gekleidet, ein neugeboren

Licht folgt seinem Fuss.

 

 

Am Fensterrand verwandelt sich die Eiche, wird zu

blauem Pflaster,

milchig Himmel schmerzt den

dünnen Glauben, dem Schlachtenlärm

abhold. Die Vögel sorgen mich,

 

die Risse im Pflaster erklären,

warum Raben nicht heilig, warum Tauben ohne Schutz und Weihe,

obgleich sie vom Brot des Heiligen gegessen,

denn das Kreuzzeichen ist eine Rede, die die,

die sie hören ignorieren.

 

Der Heilige macht sich davon.

Totale Finsternis.

Man kann das Sein der Sonne nicht beweisen.

Die Vögel sorgen mich.

 

 

 

 

 

Alternativen für eine alleinstehende Tochter

1.

Der Mann wird sterben ohne Worte.

Und ich träume von Tornados,

von rasenden Wolken, wild wirbelnd auf der Suche nach Gefährten.

Ohne Mann lass ich mich nicht erwischen, ohne einen, der mir das Leben ordnet wie ein Alphabet: Albert, Bernard, Clifford, Desmond, Eric

Vater wird sterben. Mich ängstigt, seine Hand zu halten, ich fühl etwas, das Töchter niemals fühlen sollten. Und dennoch lasse ich nicht los.

 

Meine Männer wähle ich nicht weise.

Wenn nichts mehr ging, ging ich zu Vater.

Jetzt ignoriert er mich und schweigt. Ich schüttle ihn,

und er wird glatt und kalt wie Schiefer. Was kann ich tun?

Ich bin zwar Tochter, doch das Gebinde,

das ich trage, wär

als Brautstrauss doppelt schöner.

 

 

3.

Der Traum, schon bald ein Jahr alt.

Darin ist mir sein Name eine Blume:

Hyazinth, ein letzter rosa Atem.

 

 

Die Eule tagsüber

 

Niemand weiss, wo der Totengräber wohnt.

doch das sollte man doch wissen!

Tagsüber finden wir in diesem Dorf die Eule bloss,

um sie als hässlich zu beschimpfen.

 

Doch in der Nacht, da haben wir andere Pläne, dann packen wir aus,

erzählen ihr die schlimmsten Märchen, etwa dass Öffnungen am Körper von Wunden herrühren.

Doch Federn lässt darob keine, dafür ist sie viel zu hässlich.

Und überdies fehlt ihr der Hals.

 

Wer ist nun hässlicher, die Eule oder der Totengräber?

Man weiss es nicht.

Zeig uns echte Unterschiede,

nicht nur den von Tag und Nacht,

die ständig ihr Rendezvous versäumen.

Gib uns des Totengräbers Tochter,

gib uns das Brot, von ihr gebacken.

 

 

 

 

 

Kaulquappenritt

 

Ich ass ein wenig Brot, da ging es mir schon besser.

Auf ausgedienten Trampelpfaden

verliert sich jede Odyssee.

 

Den Bäcker kenn ich nicht, der Laib ging auf

inmitten einer Quelle, die wohl des Bäckers Unterschrift.

 

Am Weg bei der Zisterne, die Leute spucken dort auf fremde Wünsche.

 

Der Speichel sammelt sich

in Blasen, die ich bestaunte,

vom Quellenbrotlaib noch benommen,

als festgezurrte Seelenflossen,

deren verlorne Formen Klafter tiefer sanken,

Gräber weiser als die der Erde,

Menschenmöglichem zu tief,

tiefer als Quellen von Not und Verlangen.

 

Ich dachte an die Körper, Zell für Zelle weggewaschen.

Super langsame Konfetti, so langsam, dass sie Anonymität erlangen: Des Ruhmes Schattenseite, Geschick, zu schwinden neu erhascht, Schritt für Schritt, so dass der Ausgang niemals endet. Aus dürftiger Präsenz empor steigt leichter Nebel. Vom Asphalt an der Oberfläche, schwarzes Eis ante meridiem dreht Reifen, reizt den Gummi.

 

Zu lang hab ich die Spucke angestarrt.

 

So lange fehlte mir Besinnung.

Verlangen ganz zerzaust, zerfleddert kam es an, bloss wegen seinen Eigenschaften, bloss wegen seinen Pflichten. Auf Kaulquappen, die klebriger Substanz entschlüpfen reitend.

Geheimnisse von Spucke und Pisse zu verkünden, die Wunder dieser Welt entfaltend.

 

 

 

 

 

 

Totengräbers Tochter bäckt Brot

 

Selbst eine frigide Frau gibt nach, selbst ein Hengst hat Schwächen.

Er ist bei einem der Beiden, jedem Mann verzeihend, der eine halbgelähmte Frau verlässt.

Ihm werd ich nie verzeihen,

 

dass er mich an Auferweckung glauben liess.

Mein Glaube ist stärker als seiner, sonst wäre er in einem Zelt

und ich des Wunderheilers Tochter,

selbstgeheilt.

 

Teig hebt sich für mich

egal wie ich ihn knete, boxe.

Die Laibe aufgereiht wie Särge.

Was ich nie will: Von langem Schlaf erwachen.

 

 

 

 

 

 

 

Totengräbers Tochter fühlt sich stehngelassen

 

Heut Nacht, ein von ihm sechs mal gekämmter, wunderschöner Rotschopf. Nie gelangte er in mein Zimmer. Meine Mutter stellte sich tot in der Nacht, in der sie mich empfing.

Wie ihm gefallen mir Dinge, die nicht wegrennen können.

Poliere Aluminiumpfannen mit Spucke.

 

Der Postbeamte ist schon jahrelang nicht mehr vorbeigekommen,

seit ich mitten in der Nacht erwachte und meinte,

im unteren Stock gäbs eine Party.

Hielt meinen Vater für einen Zauberer und all diese

leicht bekleideten Frauen für seine Assistentinnen.

Verwundert, dass mich niemand hören konnte,

warum man mich in eine Truhe steckte.

Seither erwach ich nur noch selten.

 

 

 

 

 

 

 

Pessach

 

Gott reibt sich die Augen.

Er blinzelt so wie wir, um Argwohn, Trübnis zu vertreiben.

Betrachtet die von ihm erwählten Juden. Die brauchen den Messias.

Er schaut auf meine Mutter, Christus kaufte sie mit Blut.

Sie gehört nun ihm. Sie ist nicht mehr frei.

Er schaut auf eine Million Latinos, die – Jesses! – Jesus heissen.

Doch keiner ist sein Sohn. Betrachtet asiatisch Augen, versucht die Hände ruhig zu halten.

Die Bombe war nicht gündlich.

Betrachtet Sharon‘s blutverschmierte Tür und Wände.

“In Sicherheit,” sagt er, mehr Referee als Gott.

Doch der Tod geht nicht hinüber.

Darin bleibt sich die Welt gleich.

Der arme Gott, er kann den Sündenbock nicht meiden, er hat ihn ja erschaffen.

 

 

 

 

 

Zweifel in der Katastrophe

 

Die Hand des Herrn waltete über mir, setzte mich nieder inmitten des Tals, das voll war von Gebeinen – Ezekiel 37:1

 

 

In Gottes Hand zu sein heisst nicht, in einem vollen Haus zu wohnen.

Sieht eher aus wie Mutter Hubbard in Grabräubertracht, eingehüllt in Mantel mit Kapuze, düster wie ihr Werk.

So macht man’s unter Warnung vor dem Hunde:

Begonien preisgekrönt, Phalanges, Femur, Tibia ausgraben.

Die Knochen konnte sie nicht leiden, als die im Körper ihres Mannes einst die Welt durchschritten.

 

Glauben ist alles, was es braucht.

Die Grösse eines Senfkorns, das wahre Prinzessinen verrät, sie im Bett herumwirft auf dreissig Matrazen. Die Hochzeitstorte unter meinem Kissen konnte ich nie spüren. Das harte Stück ein Fund, den Archäologen einem Vieh der Jurazeit zuordnen.

 

Kein besserer Moment, an Gottes Faszination fürs Ebenbild zu denken. Jede seiner Schöpfungen enthält etwas von ihm.

War er müde, schuf er faule Idioten.

Hatt‘ er Schluckauf, schuf er Steppenläufer.

Als er einen Zwilling brauchte, schuf er Adam.

Und immer wenn ihm danach war, schaute er zu, wie Adam

Eva beglückte. Und als Eva einmal refüsierte,

da hob Gott seine Brauen, entschwand und flog davon,

ein Karakara auf der Suche nach Aas.

Die Rache ist mein sagte er. Dann nahm er sich Maria. Die fügte sich, man muss dem Herrn ja folgen.

 

Er würde lügen, wenn er ihr sagte, er hätt den Ungehorsam nicht auch geschaffen.

 

Zyklonenwirbel über meinem Haus.

Ich versprech, ich gehe niemals in den Himmel,

wenn das die einzig Leiter ist.

 

 

Kleine Orden

 

Schau dir Schwester Elden’s Hutrand an: Breiter als die Arme ausgestreckt am Kreuze, doch ohne Gewähr; in ihre Augen

lässt sie nicht schauen: was sich dort finden liesse,

muss man anderswo suchen, Tahlma Ollets Busen breit wie ein Klavier, immer gestimmt (beim Gebären eines Nichtnutz fast gestorben,

man sieht ihrs gar nicht an) nicht wie das alte Spinett,

dessen Tasten glänzen, aber weder Töne noch Höhen bringen.

Dann kommen sie: Thalma Ollet schreit aus der Küche

im untern Stock, der Lärm dringt durch Rohr und Pflaster,

abgewetzte Teppiche von Tritten totgeschlagen, ein Stampfen das Dämonen tötet; mit unseren Füssen, das Stapfen ein Hilferuf nach Afrika, zu weit entfernt und lebensfremd, Thalma’s Geschrei dringt durch die Stränge unserer Nerven raus aus den Mäulern, obwohl wir keinen Pfeffer haben, fern der Zwiebeln, die sie im Keller unten schält, hält kurz inne, bevor das Messer ansetzt,

ein Globus, honigfarben Mond, Bibel eines Kochs, das sie in Schriften hackt und uns zu essen zwingt, schmeisst es in jeden Gang: Suppe, Entrée, Dessert.

 

Unsere Rufe, unser Jubilieren verscheucht den Schauder hinter unseren Rippen, wo es unterbricht,  was uns am besten diente, unterwegs zu unseren Herzen.

 

 

Das tut es manchmal, weist auf Boogie-Woogie dank Elder Simpson’s Zucken in den Fingern, improvisierte Pausen, hüpfen der Arthritis wegen, Schicksalsspiritualität, heiliges Walzen der Achtundachziger sobald er Sweet Home, ‚‘tis the old Ship of Zion spielt. Kirche treibt in diese Richtung, Kruzifix, handgeschnitzt und braun bemalt, wird zum Standbein lebensgross, umrahmt die Ladenfront im Dienste von Mt. Pleasant, Heimat der urbanen, nach toten weissen Präsidenten getauften Schulen.

Zelebranten verteilen brotscheibenförmiges, schweres Papier, auf Zungensenker gestapelt, Fans vom House of Wills, Bestattungsinstitut, Besitzer und Betreiber schwarz wie selbst der Tod, würden

manche sagen.

Nicht bloss Schmerzensrufe, nicht bloss Zornausbrüche.

Go, Willa, go; tanze den heiligen Tanz, schüttle die sündigen Schwanzfedern ab! Go on, Girl, shake that thing! Lass den lieben Gott entscheiden, lass den Geist regieren, steh auf, vorwärts, get on board; Und jetzt spielt Elder Simpson; There’s a train a comin’, leg flach das Kreuz, so wird es zum Signal, a train’s a comin’ schon wie gestern, nur das Gleis gewechselt, vom Untergrund zum Himmel; Freiheit immer noch die Explosion, hört den Ruf des Bahnbeamten: Clevlend, Ottawa, Himmel – genau: Heaven statt New Haven.

 

 

Kein Baseballspiel mit zehn

 

Zu dieser Hochzeit war ich nicht geladen und das macht nichts; ich will nur wissen, wie hübsch ihr Kleidchen ist, ich kann es von hier sehen. Nicht übel.

Ich mag es, wie die Braut veschleiert in die Kirche zieht. Hergerichtet wie ein leicht bewölkter Tag, sagt sie: Kein guter Tag für ein Picnic, wahrscheinlich kräftig Niederschlag. Sie glaubt nicht an die Flitterwochen. Doch ein Mann zur Rettung, selbst wenn Trottel, die nie aufgeben, keinen Sonnenschein mehr sehen, hebt den Schleier, bewundere die Kraft, denn Sorgen, Unheil, Schuld sind Schleier oder gar Tresore, unberührt von jedem Optimismus. Jetzt sind sie Mann und Frau.

 

 

 

Um die Ecke eine Tonne neben einem dort parkierten Wagen, Galaxy 500, der Kofferraum ein Stand für Limonade.

Zitronenstücke wirbeln um Eiswürfel, Zucker unsichtbar, bloss Effekt. Es ist heiss. Vielleicht schlafen wir auf der Veranda. Nächstes Jahr mit Fliegengitter, damit wir den Mosquitos nicht mehr huldigen. Ich höre die Alarme, Sirenen, Hochzeitshupen, eine Mutter, neu hier, ruft nach ihren Kindern, vergisst die Namen derer, die in solchen Nächten draussen bleiben, weil Sommer ist und’s ihnen anderswo viel besser geht. Hitze umarmt uns in der Tat. Sie ist nicht schüchtern und korrekt. Meine Mutter liesse mich nicht mit ihr spielen. Doch erholen kann man sich;  der Hydrant, sobald geöffnet, lässt eine Rakete los, die uns so sehr an Wasser glauben lässt, dass wir, wenn er losspeit, hineinspringen, unsre Kleider neue Haut, Hoffnung drunter gut versiegelt.

Für einen kurzen Augenblick.

So wird uns Hoffnung nicht zur Langeweile.

Alter Ventilator. Der Motor plaudert zu viel, zu laut, brütet vor sich hin und zankt.

So ist es wohl bei allen, die nicht mehr viel Zeit haben, um alles rauszulassen. Alle Worte müssen raus, damit sie nicht begraben werden, und nur noch Knochen, klick-klack, tick-tack, übrigbleiben, sobald das Fleisch vermodert ist, was schneller geht, wenn kein Leben, keine Worte mehr dranhängen. Unser Ventilator macht das auch. Und Grillen spiegeln Leben, die sie lauschen. Und es klingt so schön, perfekt wenn sie es sagen, fein und ideal, jeder Moment wie eine Rakete beim Abschuss von dort, wo wir nicht hinsollten; weit, weit über unsern Leisten.

 

 

 

 

 

 

 

An meine Mütter und Asafoetida

Braun im Fläschchen, Honigandacht an die Oma,

bade mich darin,

giesse ihre Arme über mich,

hausgemachte Tunke manchmal auf Lippen und Rippen, Hüften, nasche sie, nasche, labe dich an meiner Flaschenkirche,

das Evangelium wie Schwester Posey singt, oh when, when will I get home?

Blick über Dixie und

den Jordan, Lebensfluss, zu kreuzen (Kreuz hab ich schon), muss schwimmen zum anderen, stürmischen Ufer,

horchen: die braune, nasse Stimme des braunen Chors, meine Arme tragen mich rüber, schwimmen ist wie dirigieren, instruieren, Mama sagte immer, ich soll jetzt still sein und die Macht verspüren, wart‘ derweil der Fluss den Hals hinunterfliesst,

Rest des Wunders uriniert, zum Brunnen werd ich;

garstig Asafoetida, ist Stümperschnaps und Medizin, die mich nun heilt wie eine Generation,

Asafoetida ist Quilt für meine Innereien, sagte sie, Magen, Haxen, saure Schweinefüsschen bis zum Hals hinauf,

die Hände unfallfreie stumpfe Klingen.

Und Eier überall,

Eier wie Zähne so gross, wie das, was die Erinnerung bei Oma macht. Sogar das goldene Herz.

 

Endlich

der Asafoetida Toast nach der Salve von der Flinte, neues Jahr erschossen war ja nicht eingeladen, zu früh, die Jahre kommen, die Jahre gehen, ausser Kontrolle, trojanische Jahre bringen viel von dem, was wir nicht in engen Steinknollenfeldern jagen, so unbarmhherzig starr sind keine Augen ausser die, in die ich schau und mich verliebe, direkt in Mama’s Pupillen, düstere Vorwelt verdichtet in den Ahnen, all die, die schon hier waren und sich in einen engen Platz in der Geschichte zwängten, dieser Erinnerung an Existenz, Jahr für Jahr mehr überfüllt, erinnere dich, erinnere dich:  am dunkelsten vor jedes Hundes künftig Tag, manchmal sind wir Hunde, Überbleibsel unsrer Evolution bringt uns die Träume, die Instinkte, Sekrete dunkler Erinnerung; nichts verschwindet wirklich, besonders dieses kranke Paradox, es fällt dahin, erhabene Gefühle fern; will in Liebe wachsen, spriessen, Aufzug zum Penthouse, Seidensakko raucht vor Lust, ein Mann mit Flasche Asafoetida, gläserne Mama gibt an, zerbrechlich zu sein, was immer dich erhält ist deine Mama, Windbrecherin, Jazz in der Luft und im Thunderbird, die Farm der Boones, das Ruder, das die Fische züchtigt, und dich nun übers Wasser führt.

Wann denkst Du an die alte Virginy, jeder Besuch zum Tatort reicht, so viel ist dort geschehen, so viel Geschichte; Flüsse sind traurige Dinge, schwimmen zwischen einst und künftig,

wie pompös blaue (wohl sonnige) Bänder, welche sich vertiefen, sich verbreitern, sich verströmen müssen, um irgendwohin zu gelangen, und doch gibts Grenzen,

keine Illusionen, Wachstum aufzuhalten, aus dem Vollen zu leben und selbst an den Tod mehr verlieren zu können, aber Oma sagte: Mama sagt, und jetzt sage ich: Vielleicht hat man ja so viel, dass Gott gar nicht alles klauen kann; Asafoetida noch auf dem Regal, Öl noch immer in der Pfütze, Ghettohimmel gleich, Versprechen, dass die Tränen nun vorbei für immer, Flasche Asafoetida schwimmt dort, so eine Art von Moses, eine Art von Überbringer, `s gibt immer nur den einen Weg.

Weg heisst nicht hier. Ein Ort, wo Dudelsäcke pfeiffen wie  gestochne Puppe, die Mama, Mama schreit, nichts als Inspiration in der Luft, und der Jolson, der Prophet ruft: Mammy, nach der rufend, die sein Gesicht poliert; sie ist es, verwandelt es in etwas Liebenswertes.

 

 

 

 

 

 

Ich denk an Küchen

 

Küchenwerk ersetzt bei uns Raketen,

wir kräuseln Krustenränder,

um grobe, schmucke Rosenhäubchen,

Butterzeug wild aufgewirbelt,

portable Kommunionsaltare.

 

Am Sonntag grillt der Schinken sich von selber,

mit Lipidschmelzen, wachsen Schwein gebeizt im Honig,

Dünkel untaufbaren Schimmers,

Tafelspitz durch Ananas getrieben,

wie klerikale Häupter mit Tonsur.

Sonntag immer ganz besonders.

 

Beim Warten auf das Brot erlernten wir,

sobald serviert im Dampf wie aufgewirbelt

Kutschenstaub und dann zusammensackend

in die fixe Form der braunen Kruste,

das lieblich Praktische. Mitten auf dem

Tisch lassen wir es ruhn. Und dann

wirds aufgeschnitten, aufgereiht.

Rivale der Gerichtspapiere. Wir hielten

unsere eigenen, ein zweiter Satz,

richteten die Richter, gewärmt

im Moosbeerenwasser in Libbey Gläsern,

mit Duz gespühlt.

All dies  im Mondlicht abgerahmt.

 

Und dann die Ofenhitze, Flammen

schiessen hoch und blau hervor,

adrett in Uniform, lassen mich

die Türe schliessen, Sitz der Cargo Hosen,

Hitze schwillt mich an,

verschmiltzt mein Pancake Makeup,

fast schon eine letzte Puppe,

im Gesicht die Oberhitze, hohes Wissen,

alles andre auch erhöht,

Sensoren absoluten Klingelmantras funken,

Hitze brutzelt durch die Friese,

Schindeln, bis das Haus zur warmen Variante höllisch,

himmlischer Extreme wird,

und hol‘ heraus der Mutter Süsskartoffelkuchen, einer wurd‘

– wie ihre besten – gebacken als sie schlief und nicht

dazwischenfunken konnte, wenn sie nah dem Buffet träumte,

zu Seide wurd, wenn sie sich daran lehnte,

ich schneid den Kuchen auf, geb Sahne drauf,

solang er warm ist, damit die Sahnehäubchen schäumen;

An Tagen wie diesen säugt Familie Gnade.

 

 

 

 

 

 

 

 

Feuchte Flagge hissen

 

Im Redbones hats genügend Frauen über dreissig,

so dass der Duft nach Dixie Peach die Luft verwandeln kann.

Dort trinke ich, das Leben braucht doch Transparenz,

und durch ein volles Glas sieht man nicht viel.

Natürlich gesell ich mich zu Männern mit

den breiten Füssen, Bullennüstern,

die Isolation zerstäuben.

Man geht zu Redbones erst

wenn anderswo nichts los war

und der Regenbogen zum Betrug,

zum bunten Schmollen wird.

Am schönsten ist es nach Mitternacht,

wenn die Menge am dicksten wird.

Feuchte Flagge, heissgekämmtes

Haar zurück zur Windelzeit.

Ich geh zu Redbones, nun ganz offen.

Dixie Peach ist schweres Zeug, wie Büchsenschinken Gelatine tropft es Stirn und Hals hinunter, gleicht es Talg, der an heiligen Orten

von Kerzen runtertropft.