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Video of original (fragment):

Film: Daniel Infanger
Music: Gion Jegher
Voice: Matthias Reinhard-DeRoo

Dies stille Dach, wo Tauben verweilen,
Wo zitternde Kiefern und Gräber sich teilen;
Der hohe Mittag hier Feuer entfacht
und immer von Neuem – das Meer das Meer
wo lohnend‘ Gedanken ziehet einher
Von langer Schau auf göttlich‘ Ruh erdacht.

Glitzernd verfertigt von reiner Hand
Betörender Meerschaum umfasst Diamant,
Welch‘ Bild des Friedens will um sich greifen!
Eine Sonne am Abgrund zur ruhenden Stunde,
Rein‘ Offenbarung aus ewigem Grunde,
Es flimmert die Zeit und Träumen heisst begreifen.

Solider Schatz, einfacher Tempel, Minerva geweiht,
Sichtbare Lichtung, die Ruhe liegt breit
Hochmütig Wasser, in Dir, Auge, wiegen,
Und all die Ruh unter Flammenhülle,
Seelengebäude – O du, meine Stille,
Goldener Giebel, von tausend Ziegeln bedeckt!

Tempel der Zeit, mit Seufzer umwunden,
Im reinen Momente nach oben gefunden,
Umschlossen von meinem Blick auf die See;
Und wie mein vornehmes Opfer den Göttern,
So gleichet hier nun das heitere Zittern
Erhabener Gleichmut aus luftiger Höh‘.

Wie im Genuss die Frucht sich verbindend,
Und lustig sich wandelnd, verschwindend
Im Mund ihre Form sich verflüchtigt,
Ich riech meine Zukunft, die all hier verrauchte,
Der Himmel besinget die Seel‘, die verbrauchte,
Der Wechsel der Strände berüchtigt.

Betracht‘ meine Wandlung, unendlicher Himmel!
Nach aller Hochmut, nach all befremdlicher
Musse, doch niemals gelähmt,
An diesen glänzenden Ort mich begleitend,
Mein Schatten die Häuser der Toten durchschreitend
Von gebrechlicher Gebärde gezähmt.

Die Seel‘ im Fackelschein der Sonnenwende,
Gerechtigkeit! Bewundernd reich ich Dir die Hände
Im Glanze gnadenloser Waffen!
Bewahr‘ Dir die Reinheit erhobener Stelle,
Betrachte Dich selbst! – Doch Glanzes Helle
Wird im Schatten zur Hälfte Trauer erschaffen.

Ach, mir allein, für mich, an meiner Stelle,
Nahe dem Herzen, des Liedes Quelle!
Zwischen Leere und reinem Geschehen,
Ersehn das Echo meiner Grösse von Ferne
Bitter dröhnend dunkle Zisterne,
Der Seele künftige Hohlheit durchwehend!

Wisse, du scheinbar Gefangne der Blätter,
Umschlossen von diesem dürftigen Gatter,
Geschlossene Augen – Geheimnis verschwommen,
Was zerrt mich zum fauligen Ende?
Zum Boden der Knochen mich wende?
Ein Funke den Meinen, die abhandengekommen.

Verschlossen, heilig, im Feuer ohne Nahrung,
Irdisch‘ Fragment – des Lichts Offenbarung,
Von Flammen regiert gefällt’s mir hier sehr,
Von Gold, von Stein, von dunkeln Bäumen umsäumt,
Wo zitternd der Marmor auf Schatten sich bäumt;
Auf Gräbern schlummert treu mir das Meer.

Vornehme Metze – die Frömmler verjage!
Wenn einsam das Lächeln des Hirten ich trage,
Lang wart ich, geheimnisvolle Schafe,
Das weisse Trüppchen der Steine der Bleichen,
Lasset von hier weise Tauben entweichen,
Vorwitzig Engel – Träume vergebens im Schlafe.

Und hier nun die Zukunft Verwesung hisst.
Der Käfer emsig die Trockenheit frisst;
Zunichte, verloren in Asche und Glut,
Verwandelt in strenge Substanz, kenn sie nicht…
Weit ist das Leben und voller Verzicht,
Süsse schmeckt bitter – doch rein ist der Mut.

Die Toten – im warmen Boden erhalten
Getrocknet Geheimnis verwhalten.
Mittag am Himmel so still, ohne Handlung
Sich selber gedenkend, bei sich selber endend
Vollkommen Haupt – Diadem vollendend,
In Dir bin ich die stille Verwandlung.
Nur ich allein kann die Angst dir eindämmen!
Mein Reue, mein Zweifel, Beklemmen
sie sind der Makel Deines Diamanten!…
Doch in der marmorschweren Nacht,
Der Bäume Wurzelvolk sich aufgemacht,
Schon lang zu deiner Seit‘ sich bekannten.

Verschmolzen mit massigem Fehlen,
Und roter Ton trank weisse Stehlen,
Geschenk des Lebens in Blumen verrinnt!
Wo sind sie, die Toten, die trausamen Worte,
Persönliche Gesten, die Seelenhorte?
Wo Tränen entstanden, die Larve nun spinnt.

Die spitzen Rufe gekitzelter Mädchen,
Die Augen, die Zähne, die wässrigen Lidchen,
Bezaubernder Busen im Feuerspiel,
In schürzenden Lippen rinnt schimmerndes Blut,
Die Finger umklammern das letzte Gut,
Alles zugrunde und dann zurück im Spiel.

Und du, grosse Seele, träumst Du den Traum,
Dem fehlet die Farbe der schieren Lüge,
Die Gold und Welle dem Auge vorführt?
Wirst Du singen, wenn Du zerstiebst?
Ach was! Alls dahin! Mein Dasein durchsiebt
Selbst heiliges Warten vom Tode entführt.

Schwarzgolden magere Unsterblichkeit,
Tröstendes Wesen, so schamlos geweiht,
Den Tod zur Mutterbrust willst drängen,
Der schöne Traum und die fromme List,
Die nicht begreift und doch nicht vergisst:
Den leeren Schädel, das ewige Lachen.

Schwere Väter, Häupter verlassen,
All dem Gewichte der Schaufeln belassen,
Die Erde seit ihr, die Schritte erfassend,
Den Nager, den Wurm, den unausweichlichen Wicht,
Euch die ihr schläft unterm Tischl, ihr kümmert ihn nicht,
Er frisst vom Leben, mich niemals verlassend.

Liebe gar, oder Hass vielleicht?
Geheimer Zahn mir so nahe gereicht,
Und all die Namen sich bei ihm vereinen,
Was soll’s? Er starrt, er giert, er träumt, berührt!
Mein Fleisch ihm schmeckt, zum Lager mich führt,
Mein eigenes Leben wird endlich zum seinen.

Zenon, grausamer Zenon von Elea’s Schoss,
Hast mich durchbohrt mit gefiedert Geschoss,
Das zittert, fliegt und doch nicht flieget!
Sein Sausen gebiert mich, sein‘ Spitz mich besieget!
Ach Sonne… Welch‘ Schildkrötenschatten wiegt
Auf der Seel‘, Achill, der Schnelle gelähmt niederlieget.

Nein, nein!… Auf! Zum nächsten Gefilde!
Halt ein, mein Körper, der Gedanken Gebilde!
Trink, meine Brust, den wachsenden Wind!
Und eine Frische vom Meer hergebracht,
Bringt mir die Seele zurück – Salzig Macht!
Zurück ins Leben, zur Welle geschwind!

Ja! Grosses Meer in Delirien gebannt,
Felle des Panters, durchlöchert Gewand,
Von Sonnenbildern tausendmal Tausend,
Schwebende Hydra von sattblauer Haut,
An Deinem Schwanze von neuem gekaut
Einmalig Stille die Unruh‘ behausend.

Der Wind hebt an! Das Leben gilt es zu wagen!
Vom Winde mein Buch auf- und zugeschlagen,
An Klippen preschen zerstäubende Gischten!
Hebt an, ihr blendenden Seiten!
Brecht Wellen, brechet, Freude der Gezeiten
Das Stille Dach, wo Focken sich küssen!

 

 

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