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Frei liegend Felder aus Eis und aus Gras
Im Grau in der Mitte bewegt sich, was
langsam dir nun in den Augen entseht.
Ein Edelweiss blickt aus der Scharte hervor
und schwarzbraune Mutter nun hebt ihn empor
den bleigolden Adler, der alles verweht.

Und siehe! – Beim Schneefeld zur Linken
die zottigen Boecke durchhinken
die glänzende Flanke, die Röcke der Tannen.
Sie steigen, sie neigen die Hörner und springen.
Mit hüpfenden Noten im Schnee zu besingen,
Was Hufen auf Klauen so achtlos begannen.

Der Nebel geschmeidig die Felsen umhuellt,
Fluechtiger Anblick im Traum sich erfuellt.
Geburt im Granit von Gaemsen umgeben,
Nahe der silbernen Kante
Vom Dunst sanft geküsst, in Gletscher gerammte
Hoerner der Tiere, die heben.

Ein Couloir erbricht die Steine der Weisen.
Vergeblich sich bildende, breitende Schneisen.
Ein Murmeltier die Wandrer verpfeifend,
Das Gipfelkreuz schleifend im friedlichen Niesel,
Und unter den Felsen, den Steinen, dem Kiesel
Ruht magisch ein Fels, dies alles begreifend.

Wer hat Dir brennende Wiesen versprochen?
Wer hat hier den Rauch hoher Feuer gerochen?
Beides verbindet ein roh sinnlich Werben,
Vom Leben in schroffen Gebärden entsinnt.
Und keiner hier oben zu lange gewinnt.
Wenn Stille nun heimkehrt – ohne zu sterben.

Der Sinn verschlungen in launischem Wetter.
Der Huette des Hirten verwitterte Bretter
Verwirken viel Graues mit Holz und mit Stein.
Hier zu verweilen, ganz ohne Verlangen
Und mit tiefem Atem den Abgrund einfangen,
Die Scharte, die Zinne will sein.

Gleichmalend weiss von oben herab
Dem Sommergeruch ein frischduftend Grab
Verschluckst du den Ton der anderen Zeiten.
Den Sonnenschein reinigst, im Mondeslicht schimmerst
Und traege im Regen, bei Trockenheit flimmerst,
Verwischend die Narben und Unebenheiten.

Grautrocken Holz mit schwarzem Moos verziert
Gelbnasser Flachs die rote Wand berührt.
Zu viel Gestruepp, zu kleine Sprossen:
Alpenrosen mit würzigen Blüten
Behüten, erzählen die Mythen
Einst glorreicher Farbe, die hier wurd vergossen.

Dort in der Höhe so sanft eingehüllt
Im Schneefeld darunter, da liegt unerfüllt
Das tiefe Verlangen nach Vollkommenheit.
Die stille Hand zum Vordach der Stirne
Die andere Hand zeigt hoch hin zum Firne,
Wo Heimkehr verniedlicht die Unsterblichkeit.

Das Sonnenlicht fordert hier kantige Schatten,
Schwindelndes Schicksal in löchrigen Matten
Dringt nun hervor in Blumengestalt,
Ziert sich und will wie von Neuem erstarren.
Ewigen Suchens geduldiges Harren,
Ohne zu spuehren den sicheren Halt.

Der Frevel hat seine Heimat verloren,
Die Suche nach Ursach’ in Freiheit geboren.
Die Frage nach Schuld weicht den Fragen nach Gründen
Frieden mit Dir und mit Deiner Natur
Findet im Nebel niemals eine Spur
Die friedliche Fernen wird finden.

Jauchzer nun Toter verhallt an der Fluh
Gewaltige Wasser durchrauschen die Ruh
Die Nacht wird zum Tag – Der Tag wird zur Nacht
Die Bäche, die Flüsse, durchbrechen den Grund
Hervorschnellend fliessend, verdeckend den Mund,
Der früher besang, was Anmut vollbracht.

Willst hier verweilen, musst Du lernen
Vom wilden Himmel und von den Sternen,
Nur Menschenleere allein kann hier zeigen,
Was sterblichem Auge verborgen erscheint.
Das Wasser dies alles gelassen vereint.
Talwärts fliessend, doch Rauschen will steigen.

Erst auf der Hoehe eröffnet sich Weite
Noch in der Tiefe schlummert die Seite,
Die erst begreift verblüffende Nähe
Zum Ausblick, den maechtige Kulmen verheissen,
Am Ueberhang werden die Schwaden zerreissen,
Gleichauf mit der Ahnung, dies Bild zu verstehen.

Du willst mich heute von neuem erkennen?
Du willst alle Tiere noch einmal benennen,
Die hier weit oben die Felsen durchmessen?
Und sollte es dereinst gelingen,
Mein mich formend Eigen zu durchdringen:
Was immer Dir einfällt, es wird Dich vergessen.

Ein Traum an der Fluh mit wendigen Dohlen
Vom Winde zerzaust: Flug, unverhohlen,
Die Angst vor dem Winde nun langsam entweicht.
Zaehne auf Tannzweig, Blinzeln ins Weite
Faust am Geweih, an meiner Seite
Der Mut ruhig laechelt, bis alles erreicht.

Nachts will sich finden, was wacker bestehet,
Was ohne zu wachsen hier oben entstehet,
Was Freude vermittelt, ohne zu lachen
Was freundlich erstrahlt, ohne zu blenden.
Achtlos der Richtung, in die wir uns wenden,
Haelt uns das Leben mit zaertlichen Haenden.

Siehst Du dort drüben den blauweissen Grat?
Wie er behütet die schlafende Saat?
Aufgehen wird sie schon bald fest im Willen.
Gross wird es sein, das neue Bewegen.
Kräftig durchtränkt von lauwarmem Regen.
Einmal begonnen wird nichts mehr erstillen.

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